Konzerte sind Einstiegsdroge in rechte Szene

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Oderwitz. Harmlos gibt sich der NPD-Nachwuchs über seine Veranstaltung im „Stern“. Doch für Entwarnung gibt es keinen Anlass.
Martin Pfitzner ist erbost. Über „Gülle“ und „Sch . . .“, die die SZ angeblich über die geplante Veranstaltung des NPD-Nachwuchses in der Niederoderwitzer Gaststätte „Stern“ geschrieben habe. „Es ist eine legale politische Veranstaltung mit musikalischer Umrahmung“, sagt Pfitzner, der das Ereignis auch gegenüber dem Landkreis angemeldet hat und auf Informationsblättern als Verantwortlicher bezeichnet wird. Urheber dieser Blätter will er zwar nicht sein, aber seine Handy-Nummer wird dort angegeben – für Infos.

Doch so harmlos wie sich Pfitzner gibt, ist die Veranstaltung keineswegs. So hat sich der NPD-Landtagsabgeordnete Klaus-Jürgen Menzel angesagt. Der tauchte als Gastredner auch schon bei den Skinhead-Konzerten in Mücka auf. Der Verfassungsschutz kam damals zu dem Urteil: „Obwohl sie offiziell als ,Diskussionsveranstaltungen mit musikalischer Umrahmung’ angekündigt waren, handelte es sich zweifelsfrei um rechtsextremistische Konzerte.“

Rechtsextreme Gruppen
Ein Blick auf die auftretenden Gruppen macht deutlich, was davon zu halten ist. So sollen in Oderwitz folgende Bands auftreten: „Hauptkampflinie“, „Asatru“, „Rachezug“, „Kontra“ und „Eisenherz“. Die Bautzener Gruppe „Asatru“ zählt der Sächsische Verfassungsschutz in seinem Bericht von 2004 genauso zu der rechtsextremistischen Skinhead-Szene wie „Eisenherz“ aus Pirna. In der Szene sind sie gut bekannt: „Asatru“ spielte wie auch „Hauptkampflinie“ bei ähnlichen Veranstaltungen in der Discothek „Wodan“ in Mücka.

Das Lied „Unser Schlachtruf“ von „Asatru“ führt der Verfassungsschutz für die ausgebuffte Strategie dieser Bands an. So wird im Refrain gesungen: „Unser Schlachtruf der ist geil, Achtundachtzig und Sieg!“ Eine Straftat ist das noch nicht, aber für alle ist klar, dass die Zahlenparole 88 für „Heil Hitler“ steht, denn der achte Buchstabe im Alphabet ist das H.

Auch der Bandname ist bezeichnend. Der Begriff „Asatru“ bezeichnet nach Angaben der Internet-Enzyklopädie Wikipedia „sowohl das nordisch-germanische Neuheidentum als auch eher orthodoxe Richtungen dieser Form des Heidentums“. Während Asatru auch als Religion in einigen Ländern der Welt zugelassen ist, wird das ethnische Asatru oft völkisch genannt, mit den einschlägigen Beziehungen zum Rechtsextremismus.

Musik ebnet den Weg
Auch wenn es sich auf den ersten Blick lediglich um Musik handelt, so warnt der Verfassungsschutz vor Unterschätzung. Denn: „Rechtsextremistische Musik ist das zentrale Kommunikationsmittel.“ Nach Einschätzung der Verfassungshüter werden über „den Besuch rechtsextremistischer Konzerte das Gemeinschaftsgefühl in der Szene gestärkt und Kontakte zwischen den verschiedenen regionalen Szenen geknüpft“.

Organisator dieser rechtsextremistischen Konzerte sind entweder Szene-Aktivisten oder die Jungen Nationaldemokraten. Der NPD-Nachwuchs lud beispielsweise nach Mücka ein, wo sich im November 2004 rund 1 100 Menschen einfanden. Bei den meisten Konzerten handelt es sich allerdings um 70 bis 200 Besucher – so viele, wie jetzt in Oderwitz erwartet werden. Nach Ansicht des Verfassungsschutzes sind die Besucher solcher Konzerte nicht mehr ausschließlich der Skinhead-Szene zuzuordnen. „Unter ihnen befinden sich zunehmend auch Anhänger anderer Subkulturen wie Hooligans, Hardcore-, Metal- und Rockerszene sowie Jugendliche, die sich selbst ausdrücklich nicht als Skinheads, sondern generell als Rechtsextremisten bezeichnen.“


Sächsische Zeitung (Zittau), Donnerstag, 1. Dezember 2005, Von Sebastian Beutler // Published at 30.11.2005 - 21:29:58

 


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