Eine neue Qualität

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In Görlitz wollen am 02.Oktober regionale Kameradschaften aufmarschieren. ostsachseninfos.tk traf sich dazu mit der engagierten Leuten aus Görlitz, die etwas gegen die Neonazis machen wollen:
Hallo. Wie habt ihr von diesem Naziaufmarsch erfahren?
Wir checken natürlich regelmäßig die Medien der Nazis ab. Bei der aktivsten Naziseite dieser Region, die Internetseite des sog. „Lausitzer Aktionsbündnis“ (LAB) haben wir dann unverhofft einen Aufruf für einen Aufmarsch in Görlitz gefunden.

Ist das nicht alles sehr kurzfristig passiert?
Ja das ist ja das kuriose. Dieser überregionale Zusammenschluss von Nazi-Gruppen, von Kameradschaft X bis zur NPD, hat in diesem Jahr schon einen sehr martialisch veranstalteten Aufmarsch in Weißwasser durchgeführt. Dieser wurde bereits 2 Monate zuvor beworben.

In Görlitz muss da irgendetwas im Weg gestanden haben. Zumal ja auch am 01.Oktober ein bundesweit relevanter Naziaufmarsch von Worch stattfindet und dieser ja schon sehr lange fest steht. Ein Tag später einen weiteren Naziaufmarsch in Görlitz, halten wir für ganzschön gewagt.

Gibt es in Görlitz überhaupt genügend Nazis, die auf eine solche Demo gehen würden?
Görlitz kann man gut und gerne in 2 Lager aufteilen. Zum einen die ganzen NPD-Trottel um Jürgen Krumpholz und Stephan Latzel, die in diesem Jahr schon mehrere Aktionen durchführten, sowie die Nazischlägerfraktion und deren Umfeld. Wir würden mal behaupten, dass die Kontakte da einfach bestehen und dass es fließende Grenzen gibt. So war Rocco Mauksch (KKK-Rocco), ein in Görlitz bekannter Nazischläger, bei einer von der NPD veranstalteten Rudolf-Heß-Kundgebung am 17.08.2005 auf dem Görlitzer Postplatz mit dabei. Er verteilte damals Flyer.

Außerdem wird der kommende Aufmarsch von Hoyerswerda aus organisiert, so dass man da nicht nur nach Görlitz schauen sollte. Zu dem Aufmarsch in Weißwasser kamen etwa 120 Nazis aus Sachsen, Brandenburg und Berlin. Diese traten sehr organisiert auf und liefen zum Großteil in getrennten Blöcken.

Wir können davon ausgehen, dass das in Görlitz eine ähnliche Veranstaltung wird, jedoch müssen wir den Faktor Leipzig nicht außer Acht lassen, so dass Schätzungen sehr wage sein dürften.

Was weiterhin sehr komisch ist, ist die Liste der angekündigten Redner. So soll der Nazi-Terrorist Peter Naumann und Stefan Rochow sprechen. Beide sind Mitarbeiter in der NPD-Landtagsfraktion. Das ist insofern sehr komisch, da unter den Unterstützern nicht die NPD Görlitz steht. Diese treten normalerweise immer unter 2 Namen auf: dem „Bündnis Rechts Schlesien“ und dem „NPD Kreisverband Görlitz/Schlesien“. Zur Demo in Weißwasser, wo der NPD-Nazi Jürgen Krumpholz noch selbst den Naziaufmarsch anmeldete, standen beide Namen noch unter dem Aufruf. Es ist aber für uns nicht ersichtlich, ob das nur ein redaktioneller Fehler der Nazis ist oder ob da mehr dahinter steht. Der Fakt, dass die beiden NPD-Mitarbeiter als Redner auftauchen, legt den Zweiten Fall jedoch nahe.

Weiterhin ist bemerkenswert: Die gleiche Gruppierung hat nach den neusten Informationen eine Kundgebung am 03.Oktober in Zittau angemeldet. Diese wurde aber als Reaktion auf eine am gleichen Tag und zur gleichen Zeit stattfindende Kundgebung der Antifa-Lausitz angemeldet. Die Nazis schreiben auf Ihrer Homepage von einer Gegenkundgebung. Dieses offensive Verhalten der Nazis stellt eine neue Qualität dar. Zwar haben Nazis immer versucht linke Veranstaltungen anzugreifen, aber direkte Gegendemos hat es in Ostsachsen noch nicht gegeben. Letztes Jahr in Pirna, zu der Demonstration der Kampagne „Schöner leben ohne Naziläden“ gab es eine Gegenkundgebung. Diese ist aber eher kläglich verlaufen, da nur etwa 80 Nazis daran teilnahmen.

Eine „ähnliche Veranstaltung“: Wie liefen die Gegenaktivitäten in Weißwasser?
Eher chaotisch! Irgendwie spielte der Tag der Sachsen und das Image Weißwassers als Ausrichter natürlich eine große Rolle. So veranstaltete die Stadt ein riesengroß angelegtes Image-Fest, mit Hüpfburg und Eisstand auf dem Markt. Trotzdem hatten sich etwa 100 Leute versammelt, die den Nazis klar sagen wollten, was sie von denen halten. Was da von einigen kam, war jedoch eher dürftig. Ein Ei ist geflogen, wobei der VS dieses gleich als großen Beweis für „linksextreme“ Aktivitäten auf ihrer Homepage präsentierten konnte.

Was wird's in Görlitz laufen?
Es wurde sofort versucht eine antifaschistische Mobilisierung auf die Beine zu stellen. So wurde von einem antifaschistischen Bündnis eine Demo unter dem Motto „Für ein Europa ohne Rassismus“ angemeldet. Diese startet am Sonntag auf dem Wilhelmsplatz und wird am Theaterplatz enden. Wir hoffen natürlich, dass sich viele Leute an unserer Demo beteiligen.

Weiterhin erwarten nichts von der Stadt. Wie auch bei vorherigen Naziaufmärschen, wird diese nicht selbst gegen den Naziaufmarsch vorgehen. Der jetzige Oberbürgermeister hat sich nur sehr passiv geäußert und wurde auch mehr oder weniger dazu gedrängt sich zu äußern. In seiner kurzen Ansprache am letzten Donnerstag vor dem Stadtrat, fiel nicht einmal das Wort Neonazis. Er machte nur klar, dass die jetzigen Grenzen in Ordnung sind. Außerdem informierte er, dass es am 02.Oktober eine, nach seinen Worten „Demokratische Demonstration“ auf dem Wilhelmsplatz geben wird. Ohne klare emotionale Linien, ohne wirkliches Engagement.

Weiterhin finden wir es absurd, den Nazis so eine lange Route zu genehmigen. Nach realistischen Schätzungen werden die bei dieser Route etwa 2 bis 3 Stunden benötigen. Zudem ist am 02.Oktober ein Verkaufsoffener Sonntag und ein weiteres Fest. So ist ein absolutes Chaos fast schon vorprogrammiert.

In diesem Sinne bis Sonntag!


Published at 30.09.2005 - 16:15:47

 


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