Modernes Deutschlandbild

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STUTTGART/OPOLE - Das vom Auswärtigen Amt finanzierte ,,Institut für Auslandsbeziehungen" (ifa/Stuttgart-Berlin) assistiert osteuropäischen Germanisierungs-Aktivisten. Das ,,ifa", eine ,,Mittlerorganisation" der deutschen Außenpolitik, ist u.a. in Polen tätig, wo ,,ifa-Assistenten" beim ,,Schlesischen Wochenblatt" Medienarbeit betreiben. Die Zeitung leitet polnische Interessenten beim Erwerb eines deutschen Passes an, der die ausländischen Staatsbürger deutscher Hoheit unterstellt. Die nach blutlichen Abstammungsmerkmalen organisierte Eindeutschung stützt sich u.a. auf die ,,Deutsche Volksliste". Urheber der ,,Volksliste" war der ,,Reichsführer SS und Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums", Heinrich Himmler. Das ,,Schlesische Wochenblatt" ist nach eigener Aussage ,,die auflagestärkste Zeitung in Polen, die sich überwiegend an deutschstämmige Personen richtet".
In seiner Ausgabe vom 6. Dezember informiert das im polnischen Opole herausgegebene ,,Schlesische Wochenblatt" polnische Staatsbürger über Möglichkeiten zum Erwerb eines deutschen Passes. Für Personen, die älter als 29 Jahre sind, sei dabei wichtig, dass der Vater ,,zwischen 1913 und 1945 im Gebiet des Deutschen Reiches oder der Freien Stadt Danzig in den Grenzen von 1937" geboren wurde und auch dort wohnte, heißt es entsprechend den deutschen Vorschriften. Anderenfalls müsse nachgewiesen werden, dass er in die ,,sogenannte deutsche Volksliste" aufgenommen wurde. Die ,,Volksliste" des ,,Reichsführers SS" kategorisierte das ,,Deutschtum" in den okkupierten Staaten und bestimmte den menschlichen Lebenswert nach rassischen Merkmalen. Damit schließt die Anwendung der ,,Volksliste" in aktuellen Einbürgerungsverfahren Personen aus, die bei der NS-Rasseselektion den früheren Germanisierungsmerkmalen nicht genügten. Historische Herkunft und Inhalt der ,,Volksliste" werden den Lesern des ,,Schlesischen Wochenblatts" vorenthalten.

Nicht würdig
Wie es im ,,Schlesischen Wochenblatt" weiter heißt, ist die absolvierte ,,Zwangsarbeit der Eltern in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges" kein Merkmal, das ,,die deutsche Volkszugehörigkeit oder die deutsche Staatsangehörigkeit" begründen kann. Der Passus läßt darauf schließen, dass sich Nachkommen ehemaliger polnischer Zwangsarbeiterfamilien um deutsche Pässe bemühten, aber wegen ihrer fehlenden blutlichen Abstammungsmerkmale nicht für würdig befunden wurden, einen deutschen Pass zu besitzen.

Wahnsinn
Mit der Anleitung zum Erwerb eines deutschen Passes treibt das ,,Schlesische Wochenblatt" die Praxis der Bundesregierung voran, Bürger der östlichen Nachbarstaaten der deutschen Hoheit zu unterwerfen, sofern sie ,,deutsche Volkszugehörigkeit" glaubhaft machen können. Damit schafft Berlin eine privilegierte Schicht Deutschsprachiger im benachbarten Ausland, die aufgrund ihrer staatsbürgerlichen Bindungen als empfänglich für Vorhaben der deutschen Regierung gelten können. Gleichgerichtete Versuche Ungarns waren kürzlich auf heftigen Protest Rumäniens und der Slowakei gestoßen, der rumänische Ministerpräsident hatte die Budapester Pläne als ,,Wahnsinn" bezeichnet.1)

Kulturelle Identität
Das vom Auswärtigen Amt finanzierte ,,Institut für Auslandsbeziehungen" (ifa), das das ,,Schlesische Wochenblatt" unterstützt, entsendet nach eigenen Angaben im Rahmen seines ,,Kultur- und Medienassistenzenprogramms" ,,jährlich junge Hochschulabsolventen und Studierende zu Verbänden und Redaktionen der deutschen Minderheit in Mittel-, Südost- und Osteuropa". Aufgabe dieser ,,Assistenten" ist es, ,,die Kultur- und Medienarbeit der deutschen Minderheitenorganisationen vor Ort zu unterstützen und mit neuen Ideen zu bereichern", wobei man ,,insbesondere die jüngere Generation" im Auge habe.2) Die vorrangigen Ziele dieser Einflussarbeit bestehen in der ,,Stärkung der kulturellen Identität der deutschen Minderheit" und der ,,Vermittlung eines modernen Deutschlandbildes".3) Mittlerweile ist das ,,ifa" auf diese Weise in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Russland und Kasachstan aktiv. Unter seiner Anleitung entstand beispielsweise 1997 der Jugendradiosender ,,Deutsche Stimme" im polnischen Racibórz (Ratibor); der Name des Senders wurde eingeführt, obwohl er mit dem Titel der Parteizeitung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gleichlautet.4) Die ebenfalls vom ,,ifa" geförderte ,,Landes-Zeitung", das ,,Organ der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien", sieht nach eigenem Bekunden seine Aufgabe im ,,Brückenschlag zwischen der deutschen Minderheit in der CR und den Heimatvertriebenen in Deutschland und Österreich".5)

Vorläufer
Das ,,ifa" versteht sich selbst als Organ der vom Auswärtigen Amt exekutierten ,,Auswärtigen Kulturpolitik" und konnte im Juni 2001, so sein Generalsekretär Dr. Kurt-Jürgen Maaß, ,,auf 50 Jahre seiner Wiedererrichtung als Nachfolgerin des Deutschen Ausland-Instituts zurück(blicken)".6) Begründet wurde es 1917 in Stuttgart als ,,Museum und Institut zur Kunde des Auslandsdeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland". Anlässlich ihres 20jährigen Bestehens 1937 galt die jetzt unter dem Namen ,,Deutsches Ausland-Institut" (DAI) firmierende Einrichtung der zahlreich vertretenen Nazi-Prominenz7) als ,,größte zentrale Arbeitsstelle für das gesamte Deutschtum außerhalb der Reichsgrenzen"8). Die hier tätigen ,,Volkstumsforscher" beschäftigten sich vorrangig mit der Abwehr der ,,Umvolkung" (Assimilation) deutschstämmiger Minderheiten in Südosteuropa, der ,,verderblichen Wirkung der Zweisprachigkeit" und mit ,,volksbiologischen Problemen des Auslandsdeutschtums". Die wichtigsten Geldgeber des DAI waren die Daimler-Benz AG und die IG Farbenindustrie AG.9)

,,Platzschaffen"
Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Forschungsarbeiten des DAI die Grundlage der nationalsozialistischen Eindeutschungs-, Selektions- und Vernichtungspolitik. So begann der Instituts-Mitarbeiter Wilhelm Gradmann Ende 1939 mit dem Aufbau einer ,,Planungszentrale" in der ,,Einwandererzentralstelle Litzmannstadt". Die ab Herbst 1940 im polnischen Lodz untergebrachte Einrichtung war zuständig für die Ansiedlung und Einbürgerung von etwa 500.000 ,,volksdeutschen Umsiedlern" aus dem Baltikum und Bessarabien in die vom Deutschen Reich annektierten Ostgebiete. Eine gleichzeitig eingerichtete ,,Umwandererzentralstelle" sorgte für das ,,Platzschaffen", d.h. die parallel erfolgende Deportation und Ermordung von Polen und Juden.10)

Die heutige Nachfolgeorganisation ,,ifa" bezieht ihre Finanzmittel zum überwiegenden Teil aus öffentlichen Haushalten, allein zwei Drittel steuert das Auswärtige Amt bei.

1) s. dazu Wahnsinn
2) Externer Link http://www.ifa.de/integration/assistenten.htm
3) Externer Link http://www.ifa.de/integration/minderheit.htm
4) Externer Link http://www.deutschestimme.vdg.pl/geschichte.html
5) Externer Link http://www.landeszeitung.cz/indexb.htm
6) Externer Link http://www.ifa.de/w/dwmaass_50jahre_ifa.htm
7) Als Festredner traten auf: Reichsinnenminister Wilhelm Frick, der Beauftragte Hitlers für den Vierjahresplan, Hermann Göring, Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath, der Leiter der NSDAP-Auslandsorganisation, Ernst Wilhelm Bohle, der Chef der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley, sowie Reichsjugendführer Baldur von Schirach.
8) Vgl. hierzu und im Folgenden: Erich Siebert, Die Rolle der Kultur- und Wissenschaftspolitik bei der Expansion des deutschen Imperialismus nach Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn in den Jahren 1938-1944. Mit einem Blick auf die vom westdeutschen Imperialismus wieder aufgenommene auswärtige Kulturpolitik (Diss.), Berlin (DDR) 1971, S. 318ff.
9) Vgl. Karl Heinz Roth, Heydrichs Professor. Historiographie des Volkstums und der Massenvernichtungen: Der Fall Hans Joachim Beyer, in: Peter Schöttler (Hg.), Geschichtsschreibung als Legitimationswissenschaft 1918-1945, Frankfurt/M. 1997, S. 280 u. 327.
10) Vgl. ebd., S. 269 sowie den Beitrag von Thorsten Wagner in: Wolfgang Benz u. a. (Hg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, 3. Aufl., München 1998, S. 443.

Externer Link http://german-foreign-policy.com


german-foreign-policy.com, 21.12.2004 // Published at 21.12.2004 - 11:44:02

 


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