Hösl-Daum und seine politischen Umtriebe

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In den letzten Tagen und Woche tauchte in den lokalen Medien der ostsächsischen Stadt Görlitz immer wieder ein Name auf: Jürgen Hösl-Daum.
In der Nacht zum 22. Juli 2004 wurden bei einer Autokontrolle im polnischen Boleslawiec drei deutsche Männer festgenommen, die zuvor in der Stadt revanchistische Plakate geklebt hatten. In ihrem Kleinbus fanden die polnischen Beamten 20 große, 120 kleine Plakate und 75 Flugblätter. Die drei Deutschen wurden daraufhin kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen und nach Deutschland ausgewiesen. Ihnen droht in Polen eine Anklage wegen Aufruf zum Rassenhass und Verunglimpfung der polnischen Nation.1Im Falle einer Verurteilung drohen Haftstrafen bis zu drei Jahren. Mehrere große polnische Zeitungen berichteten über den Zwischenfall.2 Einer der Festgenommenen war Jürgen Hösl-Daum.
Bereits im Vorfeld des diesjährigen 1. Mai wurden in Görlitz die gleichen Plakate mit der Überschrift " Polen und Tschechen herzlich willkommen in der EU! Unsere Justiz arbeitet bereits fleißig, denn Mord verjährt nicht" massiv verklebt und verteilt. Auf den Plakaten sind neben Fotos von verstümmelten Leichen, auch vermeintliche Zahlenangaben über Millionen ermordeter Deutscher nach dem 8. Mai 1945 in den ehemaligen deutschen Ostgebieten enthalten.3 Die abschließende Forderung nach der Rückgabe der "völkerrechtswidrig enteigneten Häuser und Grundstücke" lässt an dem geschichtsrevisionistischen Charakter des Plakates keinen Zweifel. Die gleichen Flugblätter tauchten vergangene Woche erneut im Stadtgebiet Görlitz auf.
Ebenfalls im Mai wurden Plakate ähnlichen Inhalts in westpolnischen Kommunen verklebt.4

Der mutmaßliche Initiator der Plakataktion, der 26-jährige Jürgen Hösl-Daum, der einen Sitz im Görlitzer Stadtrat für die DSU inne hat, ist in dieser Beziehung kein Unbekannter. Bereits im vergangenen Mai wurde er zusammen mit zwei weiteren Kameraden in Polen kurzzeitig festgenommen. Sie hatten in Wroclaw und Umgebung mehrere hundert Holzkreuze mit der Aufschrift "Niemcy 1945-46" (Deutsche 1945-46) aufgestellt.5 Die insgesamt rund 1500 Kreuze wurden in Deutschland gefertigt und in Depots versteckt. Die größte Zeitung der Region, die Garzeta Wroclawska, titelte "Drei junge Deutsche wollten den Tod ihrer Landsleute rächen".
Der gebürtige Nürnberger Hösl-Daum wohnt erst seit kurzem in Görlitz. Er war in Nürnberg Mitglied der Jungen Union und hatte Mitte der 90er erstmals Kontakt zur Schlesischen Jugend, von der er Ende 2000 zum Vorsitzenden gewählt wurde.6

Im Jahr 1997 wird in den rechten Zeitungen "Junge Freiheit" und "Nation und Europa" für einen Anti-Euro- Aufkleber der neofaschistischen österreichischen Zeitschrift "fakten" geworben, für dessen Vertrieb Hösl-Daum maßgeblich verantwortlich war.7
Ein Jahr später erschien in der "Jungen Freiheit" ein Aufruf sieben Regionalbeauftragter der nationalistischen Deutschland-Bewegung. Einer der Beauftragten war Jürgen Hösl-Daum.8
Auf dem Schlesiertreffen der Landsmannschaft Schlesien im Jahr 2001 in Nürnberg, auf der neben dem Vorsitzenden der Landsmannschaft Rudi Pawelka auch Otto Schily sprach, forderte Hösl die "Aufhebung der Vertreibungsdekrete" und "Rückgängigmachung der Enteignungen". 9
Am Rande einer Vorstandssitzung 2002 in Düsseldorf, bezeichnete Hösl gegenüber der "FAZ" die Oder- Neiße- Grenze als Unrechtsgrenze und titulierte die Bombardierung Dresdens 1945 als "Bombenholocaust".10
Des weiteren ist er verantwortlich für eine Ausstellung, die sich als Pendant zur Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" begreift. Hösl und seine Mitstreiter wollten mit ihrer Wanderausstellung über mutmaßliche Greueltaten der Alliierten am "deutschen Volk" aufklären. Einziger Zweck der Ausstellung liegt darin, durch eine Aufrechnung vermeintlicher Schuld, die Deutschen aus ihrem Täterstatus zu heben. Somit wird der Weg für Entschädigungsansprüche geebnet. Die Ausstellung sollte quer durch alle "Vertreiberstaaten" wandern.11

Nach intensiven Recherchen trat außerdem ein weiteres pikantes Detail aus Hösl's Vergangenheit zutage. Hösl war ehrenamtlicher Archivar des 1. FC Nürnberg und musste räumte den Posten aufgrund seiner Äußerungen zur NS- Zeit. Er verweigerte einem Studenten die Einsicht in das Archiv und äußerte sich ihm gegenüber wie folgt: "Die Reichskristallnacht ist eine Erfindung Martin Luthers" und "Schreiben Sie lieber über die Neger, die sich in Afrika gegenseitig massakrieren und lassen Sie mich mit dem Zeug von vor 60 Jahren zufrieden."12 Hösl bestritt seine antisemitisch gefärbte Ausführung mit den Worten: "Als Christ habe ich nichts gegen Juden, brauche sie aber auch nicht."13

Der kurze Abriss seiner Vergangenheit ist längst nicht vollständig, illustriert aber Hösl-Daums politischen Werdegang und seine Geisteshaltung am treffendsten.

Sein Engagement als Bundesvorsitzender der schlesischen Jugend e.V. legte Hösl im Januar diesen Jahres nach knapp vier Jahren aus "familiären Gründen" nieder.14
Die Schlesische Jugend ist die Jugendorganisation der revanchistischen Landsmannschaft Schlesien und verlegte ihren Hauptsitz im Jahr 2002 von Bonn nach Görlitz.15 Dazu wurde ein Haus in der Görlitzer Altstadt erworben und ausgebaut und am 27. April 2002 offiziell eingeweiht.16 Die Räumlichkeiten der Bundesgeschäftsstelle in der Krischelstr. 4 wurden unter anderem für Liederabende und als Kontaktadresse für die bereits erwähnte Wanderausstellung genutzt.17

Nach bekannt werden der Vorgänge um Jürgen Hösl-Daum und die revisionistische Plakataktion in Deutschland und Polen, entwickelten sich Kontroversen um seine Person, sein Mandat als gewählter DSU-Stadtrat und den Umgang mit der Vertriebenenproblematik. Die Rathausspitze um OB Rolf Karbaum sah sich neben einer Strafanzeige genötigt, sich in einem offiziellen Schreiben an seinen polnischen Amtskollegen in Zgorzelec von der Plakataktion zu distanzieren.18 Die Strafanzeige wurde allerdings erst am 2. August rückwirkend für den 30.April gestellt.19Also erst, nachdem der Fall in den Medien bekannt wurde. Ein selbständiges Einschreiten hielt man offenbar nicht für nötig.
Im Gegensatz zu allen anderen Stadtratsfraktionen äußerte die DSU Verständnis für das Anliegen Hösl's, kritisierte lediglich die Aktionsform. "Wir greifen zwar die Inhalte der Plakate auf, aber diese Methoden unterstützen wir nicht" betonte der DSU-Kreisvorsitzende Christfried Wiedemuth und versicherte, Hösl werde wegen der Aktion nicht aus der Partei ausgeschlossen.20 Die Schlesische Jugend hingegen distanzierte sich mittlerweile von der Aktion Hösl's und lässt durch einen Anwalt prüfen, ob ein Ausschlussverfahren eingeleitet werden kann.21 Dass diese Distanzierung nur sehr halbherzig erfolgt, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass sich der jetzige Vorsitzende der Schlesischen Jugend, Christoph Wylezol, an anderer Stelle anerkennend zu der Holzkreuzaktion von Hösl und seinen Helfern äußerte. Der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, bedankte sich sogar öffentlich für die Aktion.22

Der Umgang mit dem Begriff Schlesien ist in Görlitz seit Jahren von einer unkritischen Haltung geprägt. Die Stadt präsentiert sich seit je her als Tor zu Schlesien. Sie stellte zum Beispiel am 22. September 2002 ihre Stadthalle dem Zentralrat der Vertriebenen Deutschen zur Verfügung. Obwohl die Stadt wusste, wen sie sich ins Haus holt.23 Dieser Umstand sorgt dafür, dass solche Vereinigungen ihre Tagungen unbehelligt abhalten und ihre bedenkliche Politik vorantreiben können.
Ein anderer Aspekt ist der "Schlesientourismus". Jede Woche pilgern unzählige Menschen nach Görlitz, um der alten Heimat nahe zu sein und in diversen Geschäften schlesische Devotionalien zu erwerben.24 Görlitz steht dem sehr wohlwollend gegenüber, sind es doch kaufkräftige Kunden, die später nur Gutes über die Stadt zu berichten wissen. Dadurch wird eine unkritische Atmosphäre erzeugt, in der sich jeder guten Gewissens positiv auf Schlesien beziehen kann. Man beachte nur die zahlreichen "Schlesien"- Pkw-aufkleber

Dass die Geschehnisse in Görlitz nicht gänzlich kritiklos hingenommen werden, bewies eine militante Aktion gegen Jürgen Hösl-Daum. In der Nacht vom 28. zum 29. Juli wurden die Scheiben des Erdgeschosses seines Wohnhauses eingeworfen und die Hauswand mit der Parole verziert "Zu Schlesien steh'n heißt untergeh'n!".25 In einem Interview bei Radio Lausitz bekundete Hösl am nächsten Tag seinen Verdacht, aus welcher Richtung die Aktion komme. "Die linken Genossen von der Antifa haben mir die Scheiben eingeworfen."

Derartige Aktionen können aber die öffentliche Diskussion um das Thema Vertreibung und Entschädigungsansprüche der Vertrieben nicht ersetzen. Es wird sich zeigen, ob die Stadt und andere Verantwortungsträger bereit sind, sich dem revanchistischen Diskurs zu stellen. Jenseits von Distanzierungen und Lippenbekenntnissen muss eine kritische Debatte um den Inhalt und nicht nur die Methode erfolgen. Es gilt klar Position zu beziehen. Gegen jegliche geschichtsrevisionistischen und revanchistischen Bestrebungen.

AG Gegen Geschichtsrevisionismus und Revanchismus Görlitz

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1 Sächsische Zeitung, 27.07.2004, "Dafür gibt es Gerichte"
2 u.a. die Trybuna, siehe http//www.radio.com.pl/polonia/article.asp?tld=13107
3 Faktuell, 28. Juli 2004, "Recht(s) so, Herr Hösl-Daum?" und Sächsische Zeitung, 30. Juli 2004, "Die Rathausspitz distanziert sich"
4 Externer Link http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1091227862.php
5 Sächsische Zeitung, Donnerstag, 29. Juli 2004, "Schlesische Jugend geht auf Distanz" und Sächsische Zeitung, Donnerstag, 29. Juli 2004, "Mit Hösl bekommt Görlitz Probleme" und Externer Link http://www.bewäeltigen.de/_-1291260374_-1121873873.html und Externer Link http://www.jlosachsen.de/Unterhaltung/Alltag_Holzkreuze.html
6 Preußische Allgemeine Zeitung, 17. August 2002, Im Gespräch: Jürgen Hösl, "Vorwärts, es geht zurück"
7 Wirtschaftswoche, Nr.16, 1997 und Externer Link http://www.antifaschistische-nachrichten.de/1997/13/002.htm
8 Junge Freiheit, Nr.8, 1998
9 Externer Link http://www.jlosachsen.de/Berichte/Berichte_ U010715.html und Deutsche Stimme, nr.8, 2001
10 www.antifaschistische-nachrichten.de/ 2002/07/polen-m.php
11 Rundbrief Hösl's, siehe Externer Link http://www.heimatschutz.net/archiv/ inhalt.php?id=3284
12 Nürnberger Nachrichten, 29.01.2000, "Archivar trat zurück"
13 Nürnberger Nachrichten, 20.01.2000, "Das Archiv blieb zu"
14 Leserbrief Hösl-Daums, Sächsische Zeitung, 30. Juli 2004
15 Externer Link http://www.schlesienweb.de/neues/schlesj.html
16 Preußische Allgemeine Zeitung, 17. August 2002, Im Gespräch: Jürgen Hösl, "Vorwärts, es geht zurück"
17 Flugblatt mit Kontaktadresse siehe Externer Link http://www.faktuell.de/Hintergrund/Background311.shtml
18 Sächsische Zeitung, Freitag, 30. Juli 2004, "Rathausspitze distanziert sich"
19Faktuell, 04. August 2004, "Lange Leitung"
20 Sächsische Zeitung, 28.07.2004, "Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Stadtrat" und Sächsische Zeitung, 02.08.2004, "Vorstand gibt Hösl-Daum noch eine Chance"
21 Sächsische Zeitung, Donnerstag, 29. Juli 2004, "Schlesische Jugend geht auf Distanz"
22 Im interview: Christoph Wylezol, Junge Feiheit, 08.08.2003, "Zu deutsch für Deutschland" und Externer Link http://www.schlesische-jugend.de/cms_de/aktuelles/themen/interview_jungefreiheit.html
23 Sächsische Zeitung, 25.09.2002, "Gegen das Unrecht der Vertreibung"
24 exemplarisch sei hier die "Schlesische Schatztruhe" auf der Brüderstraße erwähnt
25 Sächsische Zeitung, Freitag, 30. Juli 2004, "Rathausspitze distanziert sich"


AG Gegen Geschichtsrevisionismus und Revanchismus Görlitz // Published at 11.08.2004 - 13:55:28

 


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