Freitag, der 13. - Deutsches (Ge-) Denken

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Dresden wurde schon einmal zur „Hauptstadt der Bewegung“ stilisiert als Anfang der 90er Jahre dies von Christian Worch und Michael Kühnen propagiert wurde. Und Dresden ist auf gutem Wege, erneut einer der Schwerpunkte der Szene zu werden. Einen Vorgeschmack bot der 14. Februar. Der bis dato in Dresden mit Abstand größte Neonazimarsch hatte vom Auftritt und Zahl der Teilnehmer einiges mit anderen Großaufmärschen wie in Wunsiedel gemein. Ebenso wie beim Heß-Gedenken verfolgt die Szene in Dresden mit der Erinnerung an den „Bombenholocaust“ revisionistische Ziele und eine Annäherung an den Nationalsozialismus. Auch soll Dresden das werden, was Wunsiedel schon lange ist: Ein festes Symbol und alljährliches Ziel bundesweit organisierter Neonazis, kurzum eines der wenigen Großereignisse der Szene.
Für die Neonazis erleichternd, für AntifaschistInnen erschwerend kam hinzu, dass auch das offizielle Dresden das Gedenken auf revisionistische Weise maßgeblich mitprägt. Konnte Anfang der 90er Jahre der britische Holocaustleugner David Irving auf einer städtischen Versammlung auftreten, schwadroniert 2004 der gelernte „Hobbyhistoriker“ Jörg Friedrich „Dieser Angriff war barbarisch“. In einem Zeitungsinterview leugnet er gar den Zusammenhang zwischen dem nationalsozialistischen Terror und den notwendigen Schritten der Alliierten, um die Deutschen zu stoppen. Alljährliche Beschränkungen des Versammlungsrechts wohlgemerkt nur für Linke und Kritiker der offiziellen Diktion sind dabei nur obsolet.

Dieses Jahr sollte der 13. Februar für die Neonazis ein besonderer „Gedenktag“ werden. Anstelle des alljährlichen Trauermarsches am Abend des 13. Februar, entschied man sich diesmal für einen Großaufmarsch am darauffolgenden Tag, weil dieser auf einen Samstag fiel und so eine größere Mobilisierung zuließ. Holger Apfel erwartete in einem Rundschreiben des Nationalen Bündnis Dresden „eine mehr als doppelt so große Trauergemeinde“ als 2003, als sich „über 1.000 Teilnehmer in Dresden versammelten“.

Damit war das Ziel hochgesteckt. Und das Konzept ging auf. Der Bombenangriff der Alliierten auf Dresden, gilt nicht nur Neonazis als Symbol für den „Terror“ welchen die Befreiungsmächte seither auf Deutschland ausüben würden. Das Gedenken an die deutschen Opfer von Bombenkrieg oder Vertreibung wird endkontexualisiert und so die Deutschen zu einer Schicksalsgemeinschaft von Opfern eines „Bomben- oder Vertreibungsholocaustes“. In dieser gesellschaftlichen Stimmung, die auch starken Nährboden in Dresden findet, war klar, dass eine Vielzahl bundesweiter Neonazis nach Dresden kommen würde. Als Redner war der Hamburger RA Jürgen Rieger angekündigt, der auch Anmelder der Heß-Märsche und damit Integrationsfigur für alte und neue Nazis ist. Außerdem sollte der Nazi-Barde Frank Rennicke auftreten. Aus ganz Deutschland kamen Gruppierungen angereist. Führende Kader des gesamten deutschen Neonazi-Spektrums waren anwesend. Sonst allgegenwärtige Szene-Streitereien spielten keine Rolle.
Spektrenübergreifend kamen Teilnehmer von der DSU, DVU, NPD, Kameradschaften bis hin zu Republikanern und weiteren. Bei klassischer Musik, schwarzen Luftballons und schwarzen Fahnen setzte sich der Zug von etwa 2.200 Alt- und Jungnazis in Bewegung. Als Anmelder fungierte der Freiberger Neonazi Alexander Kleber, der auch sächsischer Funktionär der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen ist. Maßgeblich an der Organisation und Durchführung des Aufmarsches beteiligt war, mehr noch als in den vorherigen Jahren, die NPD und das 2003 gegründete Nationale Bündnis Dresden. Auffällig war , dass eine Vielzahl „subkultureller“ Neonazis aus dem Anti-Antifa und Hooligan-Spektrum teilnahm.

Schon am Abend des 13. Februar marschierten ca. 180 Neonazis durch Dresden, am Vormittag legten sie während einer städtischen Gedenkveranstaltung insgesamt 14 Trauerkränze am Heidefriedhof ab, der letzten Ruhestätte für die Toten des Bombenangriffs. Dies geschah, ebenfalls wie in den Jahren zuvor, ohne dass sich Offizielle, wie Oberbürgermeister, Landtagspräsident und BürgerInnen von den Neonazis distanzierten.

Dieses Hinnehmen der Neonazi-Aktivitäten passt auch in das Bild, welches sich für Antifas bot. „Gegen jeden Geschichtsrevisionismus“ fand schon am 13. Februar eine Antifa-Demonstratiuon statt, welche unter massiver Polizeibegleitung stand und durch das städtische Ordnungsamt an die Peripherie der Stadt verlegt wurde. Auch am 14. selbst wurden Aktivitäten gegen den Neonazigroßaufmarsch rigoros polizeilich unterbunden, währenddessen die Neonazis fast ohne Polizeispalier liefen und dabei immer wieder Protestierende angreifen konnten. Im Nachhinein zur Demonstration konnten Gruppen von bis zu 200 Neonazis ungestört durch die Innenstadt ziehen.

Weitgehend desinteressiert nahmen die DresdnerInnen den bisher größten Neonaziaufmarsch zur Kenntnis. Nur einige Hundert nahmen an einer Bündnisdemonstration gegen die Neonazis teil, ebenso beteiligten sich etwa 600 AntifaschistInnen an Gegenaktivitäten. Dennoch blieben die Nazis fast völlig ungestört. Sollte sich dies in Zukunft nicht deutlich ändern, ist nach dem Heß-Marsch im August, im Februar 2005 ein nächster Großaufmarsch in Dresden zu befürchten.

Mehr zum 13.Februar 2004:
Externer Link http://venceremos.antifa.net/



Der Rechte Rand Nr. 87 - http://www.der-rechte-rand.de/ // Published at 19.02.2004 - 21:47:51

 


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