Im rechtsextremen Fahrwasser: "Schlesische Jugend," mobilisiert gegen Polen

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Mit Transparenten, auf denen zu lesen ist "Breslau, Oppeln und Stettin sind deutsche Städte wie Berlin" demonstriert die "Schlesische Jugend' (SJ) jährlich zum Tag der deutschen Einheit in Düsseldorf für ihre revanchistischen Ziele.

Eigentlich wolle man lieber in Berlin als in Düsseldorf auf die Straße gehen. Doch müsse man in Berlin "anders als in Düsseldorf, mit Sicherheit mit der Antifa rechnen", äußerte der neue Bundesvorsitzende der SJ und Düsseldorfer BdV-Kreisverbandsvorsitzende, Christoph Wylezol kürzlich in einem "Junge Freiheit" - Interview. Dabei hat es die SJ mit ihren angeblich 30.000 Mitgliedern längst auch in Düsseldorf - und nicht nur dort - verdient, mit der antifaschistischen Öffentlichkeit konfrontiert zu werden.

Die "Schlesische Jugend"

Seit gut 20 Jahren verfügt die SJ über gute Beziehungen zur so genannten deutschen Minderheit in Polen. Wichtigster Aktivposten ist in diesem Bereich die mit Bundesmitteln geförderte und als gemeinnützig anerkannte Bonner "AGMO e.V.", ein bundesweiter Arbeitskreis der "Schlesischen Jugend". Unter Anleitung der AGMO e.V." wurden ab Mitte der 1980er Jahre - damals noch konspirativ - "Deutsche Freundschaftskreise" (DFK) in der polnischen Region Slask (dem früheren Schlesien) aufgebaut. Ziel dieser mittlerweile 300-600 örtlichen DFK-Gruppen in Polen war und ist es "die (deutsche) Volksgruppe in ihrer Identität (zu) stärken." In seinem JF-Interview berichtet Wylezol voller Stolz von einer Provokation gegen Polen im Mai diesen Jahres. In Zusammenarbeit mit Angehörigen der so genannten "Deutschen Minderheit" in Polen hatte die SJ in einer Nacht- und Nebelaktion 700 Holzkreuze aufgestellt. Als Aktivist tat sich der damalige Noch-Bundesvorsitzende der "Schlesischen Jugend", Jürgen Hösl hervor. Rund um Wroclaw, wo gerade Bundeskanzler Schröder zu einem Staatsbesuch weilte, stellte er mit anderen die Kreuze auf. Man wollte daran erinnern, dass dieses Land "kulturell und moralisch gesehen deutsches Land" sei. Nach einer kurzen Verhaftung wurden die Aktivisten der SJ nach Deutschland abgeschoben. In hämischer Freude berichtete die rechtsextreme Zeitung "Der Schlesier" über die Reaktionen in der polnischen Bevölkerung, die diese Aktion als Zeichen wertete. dass die Deutschen zurückkehren und Rache nehmen würden.


"Eine Herausforderung für Revanchisten"

Parallel zu den Provokationen in Polen fand im Mai diesen Jahres in der SJ ein Führungswechsel statt. Der JF-Interviewpartner Wylezol löste den bisherigen Bundesvorsitzenden Jürgen Hösl in dieser Funktion ab. Gleichwohl dürfte der ehemalige Nürnberger und jetzige Görlitzer Hösl, der weiterhin stellvertretender Vorsitzender bleibt, mit der Geschäftsführung der SJ-Bundesgruppe eine noch aktivere Position eingenommen haben. Das CSU-Mitglied Hösl war früher Kontaktperson für Mittel-Franken der Mechtersheimer "Deutschland-Bewegung". Seine Programmatik für die SJ brachte er 2001 beim "Schlesiertreffen" unters Revanchistenvolk, als er dazu aufrief "das Recht auf Heimat aufrechtzuerhalten [...] und der deutschen Jugend das kulturelle Erbe der ostdeutschen Länder anzuvertrauen.",

Zum Schriftführer wurde Christian Unkel gewählt. Unkel hält offensichtlich für die SJ den Kontakt zum offen rechtsextremen Spektrum des bundesdeutschen Revanchismus. 2001 trat er dem "Witikobund" bei. Weiter fiel er 1999 - damals noch Student in Heidelberg - als Unterstützer des von Mechtersheimer initiierten "Arbeitskreises unsere Sprache" auf.

Interessant auch das Agieren der neuen Pressereferenten der SJ, Michael Kuligowski aus Düsseldorf. In "Der Schlesier" ließ er eine Pressemitteilung zum Führungswechsel bei der SJ veröffentlichen und auch der hetzerische Artikel über die Holzkreuzaktion in dem Blatt ist mit "Schlesische Jugend, Bundesgruppe e.V." unterschrieben. Kuligowski setzt damit ein deutliches Zeichen für die rechtsextremen Tendenzen bei den "Jungen Schlesiern". Die "Landsmannschaft Schlesien" hatte sich 1988 nämlich offiziell von dieser Zeitung als ihrem Mitteilungsorgan getrennt, da in ihr deutlich neonazistische Tendenzen zu erkennen waren.

Dass der im Mai diesen Jahres neu gegründete thüringische Landesverband der SJ von Neonazis geführt wird, ist dann nur noch eine konsequente Fortführung extrem rechter Tendenzen in diesem Jugendverband. Zum Landesvorsitzenden der SJ in Thüringen wurde der Jenaer Theologiestudent Dirk Metzig gewählt. Metzig galt bis zu seinem Ausschluss auf der Burschenschaft "Jenensia zu Jena" als deren Kontaktmann zum neonazistischen "Thüringer Heimatschutz". Der im März diesen Jahres auch in den Thüringer BdV-Landesvorstand gewählte Metzig fungierte dann bei der 2000 gegründeten Buschenschaft "Normannia zu Jena" als Führungsfigur. Diese Burschenschaft kann als Auffangbecken der von der "Jenensia zu Jena" wegen rechtsextremer Tendenzen ausgeschlossenen Burschen gelten.

Ebenfalls zum thüringischen Landesvorstand der SJ zählt der rechtsextreme Liedermacher Martin Rocktäschel. Rocktäschel gehörte im Jahr 2000 dem thüringischen Landesvorstand der NPD, an und gab im selben Jahr beim JN-Kongress in Eisenach sein "Liedgut" zum Besten.

Man wolle sich ganz in den Dienst der Mutterlandsmannschaft stellen, ließ der thüringische Landesverband der SJ auf seiner Gründungsversammlung verlautbaren, und strebe eine baldige Mitgliedschaft in der Bundesgruppe der "Schlesischen Jugend" an. Angesichts der rechtsextremen Tendenzen in dieser Bundesgruppe dürfte auch die Aufnahme eines rechtsextremen Landesverbandes wie des thüringischen eine reine Formsache sein.

Vor drei Jahren trennte sich die .Landsmannschaft Ostpreußen" nach gehörigem Druck durch das Innenministerium von ihrer Jugendorganisation der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen" (JLO). Diese Entwicklung ist für die SJ überfällig. Sie stellen mit ihren guten Verbindungen zur so genannten "deutschen Minderheit" in Polen und den gemeinsam initiierten Provokationen eine viel größere Gefahr dar. Die JLO landete schließlich als korporatives Mitglied im "Witikobund". Teile des Bundesvorstandes der SJ haben dort als Mitglied ja schon das Feld bereitet.


Rechter Rand 84 / September/Oktober 2003 / Gerd Alt // Published at 09.08.2004 - 21:24:34

 


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