Näheres zum BDVG

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Das "Bildungswerk [auch Bewegung] Deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG) will am 17.11.02, dem sog. Volkstrauertag (die Nazis nennen den Tag "Heldengedenktag") in Hoyerswerda aufmarschieren. Das BDVG ist eine Abspaltung der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), die 1999 maßgeblich vom sächsischem und nordrhein-westfälischem JN-Landesverband erfolgte. Seitdem gilt die JN in Sachsen als aufgelöst und der sog. "BDVG-Mitteldeutschland" tritt seitdem in Erscheinung.

Angemeldet wurde der Aufmarsch vom Bundesvorsitzenden LARS KÄPPLER aus Neckarwestheim (Baden-Württemberg). Dieser hatte mit ACHIM EZER aus Nordrheinwestfalen den BDVG 1999 gegründet und andere JN-Mitglieder dazu ermutigt aus der JN auszutreten. Das BDVG vertritt wie auch die JN eine aggressiv rassistische, antiamerikanische und auch antisemitische Haltung.

[->] Infos vom ARGH und artos zum Aufmarsch



Revanchistische Propaganda des BDVGs

Gleichzeitig mobilisieren die Nazis zu einem Aufmarsch nach Halbe bei Berlin, der allerdings verboten worden ist (Stand: 14.11.02), was sich aber höchstwahrscheinlich noch auf dem juristischen Weg ändern wird. Falls sich jedoch das Aufmarschverbot bestätigt, könnten sich die Aktivitäten der Nazis auf Hoyerswerda konzentrieren. Bisher sind noch keine Aktivitäten der Stadt Hoyerswerda bekannt. Anders sah das etwa 2 Wochen früher aus, als die Stadt den Aufmarsch der selbsternannten [->] "Lausitzer Arbeitsloseninitiative" (dahinter stecken Nazigruppen aus Sachsen und Südbrandenburg) verboten hatte. Im Falle der erwarteten Aufhebung des Verbots hätte sich die Stadt an der angemeldeten Gegendemonstration beteiligt. ENRICO KEHRING aus Niesky, der Anmelder des Naziaufmarschs, hatte jedoch die nmeldung zurückgezogen. Die Gegendemo fand daraufhin auch nicht statt.



Im folgenden dazu ein bisschen Background zum BDVG:

Aktivitäten des "BDVG-Mitteldeutschlands"

06.11.99 - Rechtsextremistische Veranstaltung in Bischofswerda
Ca. 100 Personen nehmen an einer Saalveranstaltung teil. Redner ist der Bundesvorsitzende der Freiheitlichen Partei Deutschlands (FPD) Dr. Johannes Hertrampf sowie der BDVG-Bundesleiter Achim Ezer. (Quelle: BDVG-Homepage)

08.07.00 - Rechtsextremistische Veranstaltung in Bischofswerda
BDVG-Bundesleiter Lars Käppler tritt als erster Redner auf, nach ihm tritt der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub auf. (Quelle: BDVG-Homepage)

Bernhard Schaub ist Lehrer für Geschichte und Deutsch bis Januar 1993 an der Rudolf-Steiner-Schule in Adliswill, bis Juli 1999 "pädagogischer Mitarbeiter" bei der Migros-Klubschule in Frauenfeld, Ostschweiz. Mitherausgeber und Autor der Zeitschrift "Aurora", Regensdorf, Sprachrohr der "Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte (AEZ)", ein Zusammenschluss Schweizer Holocaust-Leugner, bestehend aus Jürgen Graf, Andres J. Studer und Arthur Vogt.

Im Oktober 1992 veröffentlicht Schaub ein Buch mit dem Titel "Adler und Rose", worin er den Genozid an den Juden im Zweiten Weltkrieg bestreitet und aus der einschlägigen holocaustleugnenden Literatur zitiert. Der Zweite Weltkrieg, so Schaub, sei ein Präventivkrieg Hitlers gewesen. Auch an antisemitischen Äusserungen fehlt es nicht, die Schweiz sei das "Ziel einer jüdischen Verschwörung, die eine "Neue Weltordnung" errichten wollen. Am 9. Mai 1994, versandte Schaub gemeinsam mit Arthur Vogt, Andres Studer und Jürgen Graf etwa 3.500 Kopien einer verkürzten Form des Rudolf Reports zusammen mit einem fünfseitigen Begleitbrief an Universitäts-Wissenschaftler, Politiker und die Medien.

Ende 2000 betreibt Schaub Weiterbildung in Sachen "germanische Mythologie" bei den sächsischen NPD-Kreisverbänden Delitzsch, Meißen und Löbau-Zittau, im darauffolgenden Jahr trägt Schaub bei der NPD-Veranstaltung " Neue Kultur in nationalbefreiten Zonen" zu Nietzsche vor. Im April 2001 wartet er mit einem Referentenbesuch bei der Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft (BDVG) auf. Sein Thema lautet bei diesem Anlass: "Neue Werte für Europa".[14] Am 13. Oktober 2001 ist er Gast der "Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft" Mitteldeutschland (BDVG - vorher nannte sich die JN-Abspaltung Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft) im sächsischen Göda, wo er über den "Volksstaat der Zukunft"

vorträgt. Im Rahmen dieser Veranstaltung war auch ein Konzert mit Frank Rennicke angekündigt.
[->] idgr.de


19.08.00 - Rechtsextremistisches Fußballturnier in Kamenz
Mannschaften wie „Junge Dynamo-Fans Kamenz", „Jungsturm Bautzen“ sowie „Freie Kräfte Jüterborg“ traten vor etwa 100 Zuschauern auf. Diese spielten um den Pokal des BDVGs. (Quelle: BDVG-Homepage)


Nazis spiel(t)en Fußball (Foto: BDVG-Homepage)

24.03.01 - Rechtsextremistische Veranstaltung in Bautzen
Ca. 100 Personen verfolgen eine Rede vom Herausgeber rechtsextremistischen Zeitschrift "Recht und Wahrheit" GEORG ALBERT BOSSE aus Wolfsburg. Außerdem trat danach ein rechtsextremistischer Liedermacher aus Niedersachsen auf. (Quelle: BDVG-Homepage)

Bosse ist Herausgeber und Verleger der revisionistischen und antisemitischen Zweimonatsschrift Recht und Wahrheit, Untertitel "Stimme des parteiunabhängigen freien Deutschen", die von Generalmajor a.D. Otto Ernst Remer als Organ der Deutschen Freiheitsbewegung e.V. (DDF) gegründet wurde. Seit 1989 ist Bosse Vorsitzender dieser neonationalsozialistischen Organisation. Er zählt zu den 65 Unterzeichnern des "Aufrufs an alle Deutschen zur Notwehr gegen die Überfremdung - Der Völkermord am Deutschen Volk", der 1998 bundesweit verschickt wird.

Bosse ist mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Im Juli 1990 wird er zusammen mit Remer wegen Verwendens, Verbreitens und Vorrätighaltens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen zu einer Geldstrafe verurteilt. Anlaß war eine Ausgabe von 1989, in der der Geburtstage von Adolf Hitler, Rudolf Heß und Erich Ludendorff gedacht wurde. 1994 erneute Verurteilung wegen antisemitischer und NS-apologetischer Artikel in RuW. 1996 kommt es zu einer Verurteilung durch das Landgericht Braunschweig zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße in Höhe von DM 2.000. Der Rechtsextremist hatte in einem Artikel den Massenmord an den Juden geleugnet. Auch derzeit ist gegen ihn ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung anhängig.
[->] idgr.de


13.10.01 - Rechtsextremistische Veranstaltung in Graußig
FRANK RENICKE und den Holcoustleugner BERNHARD SCHAUB traten vor ca. 300 Personen auf. (Quelle: BDVG-Homepage)


Naziveranstaltung in Graußig (Foto: BDVG-Homepage)

04.08.01 - Rechtsextremistisches Fußballturnier in Kamenz
Insgesamt 8 Mannschaften aus Mannschaften Kamenz, Bautzen, Sebnitz, Großröhrsdorf und Bischofswerda spielten wie im Vorjahr um den BDVG-Pokal. Unter anderem traten auch die „Freien Kräfte Sebnitz“ auf. (Quelle: BDVG-Homepage)

10.-17.08.02 - Aktionswoche “Stoppt den Zuwanderungswahnsinn!”
In Hoyerswerda, Gersdorf, Groß-Röhrsdorf und Pulsnitz werden rechtsextremistische Propaganda in Schulen und Einkaufszentren verteilt. Die Aktion wurde unter dem Label „Junge Deutsche“ durchgeführt.




DER RECHTE RAND Nr. 59 vom Juli / August 1999, S. 3 f.
JN-Spaltung forciert Umbruchprozesse in der NPD
Von Karl Chemnitz

Auf dem Bundesparteitag der NPD im saechsischen Mulda im Januar 1999 wurden die Grabenkaempfe innerhalb der NPD und den "Jungen Nationaldemokraten" (JN) bedeckt gehalten. Manch altgedienter JN-Funktionaer wie Holger Apfel wurde in der NPD mit lukrativem Job belohnt, das hat bei nicht wenigen verbleibenden JN-Kadern fuer Unruhe gesorgt. Trotzdem schauten die Neo-Faschisten hoffnungsvoll auf die kommenden Wahlen. Auch der Verfassungsschutz und nicht wenige AntifaschistInnen sahen die NPD auf dem Weg nach oben. Die Wirklichkeit sieht inzwischen ganz anders aus.

Am 7. Juni verbreitete die JN-Sachsen eine Pressemitteilung, in der sie ihren Austritt aus der Bundesorganisation bekannt gab. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen und einige Mitglieder aus Baden-Wuerttemberg schlossen sich den Sachsen an. Fuer ihren Austritt gaben die Jungfaschisten mehrere Gruende an. Die Aufnahme eines Bosniers in die JN stoerte besonders die saechsische Fraktion um Oliver Haendel. In einem Schreiben forderte der Landesverband Sachsen den Bundesvorstand auf, die Aufnahme von Safat Babic rueckgaengig zu machen und stattdessen eine Auslandsorganisation aufzumachen. Doch weder der amtierende JN-Bundesvorsitzende Sascha Rossmueller, noch der JN-Bundesgeschaeftsfuehrer Alexander von Webenau mochten sich den Sachsen anschliessen. Lediglich einige Kameraden aus Nordrhein-Westfalen unterstuetzten die Sachsen. Zwischen den beiden Landesverbaenden gibt es naturgemaess gute Verbindungen. Der JN-Landeschef Oliver Haendel war jahrelang im Koelner Raum aktiv und pflegt gute Kontakte zu Achim Ezer. Die Sachsen JN argumentiert formaljuristisch und bezieht sich auf das Statut der JN. Im Paragraf 5 des Statuts ist festgeschrieben, dass nur "Deutsche" Mitglied in der JN werden koennen. Einen weiteren Anlass ihres Austritts aus der JN sahen die Sachsen in dem Umgang des Bundesvorstands mit abtruennigen Kameraden aus Nordrhein-Westfalen. Inzwischen streiten sich Rossmueller und Ezer bereits gerichtlich um den "Schwarze Fahne Versand". Ezer und seinen Leuten wird vom Bundesvorstand Betrug und Bereicherung vorgeworfen. Der JN-Landesvorstand NRW wurde vom Bundesvorstand neu eingesetzt. Die Sachsen kritisieren den Bundesvorstand nicht nur wegen seiner Umgehensweise mit den "Kameraden", sondern werfen ihm einen weiteren Bruch des JN-Statuts vor, weil in dem zwangseingesetzten Landesvorstand von NRW Kameraden saessen, die das Hoechstmitgliedsalter von 30 Jahren ueberschreiten. Den dritten

Austrittsgrund sehen die Sachsen in der mangelnden Schulungsarbeit. Besondere Brisanz enthaelt die vierte Austrittsbegruendung, durch die Trinkgewohnheiten und das Ausleben der Sexualitaet fuehrender Parteifunktionaere ins Rampenlicht der Oeffentlichkeit gerieten. In dem Brief an die Parteimitglieder und Anwaerter heisst es dazu: "Nach einer Bundesvorstandssitzung in Wurzen waehrend eines Kameradschaftsabends beschwerten sich unsere kurzhaarigen Kameraden (auch bei NPD-Landesvorstand Sachsen) ueber das Benehmen und die Trinksucht unserer Funktionstraeger. Auf solche Vorbilder koennen wir verzichten! Dass der Kampf fuer unser Vaterland ueberall gefuehrt wird, dazu stehen

unsere Funktionstraeger auf jeden Fall. Am ersten Abend der JN-Bundesvorstandssitzung in Sulingen (Niedersachsen) fand ein Liederabend mit Joerg Haehnel statt. Den Herren Holger Apfel (jetzt NPD-Parteivorstand, vorher JN Bundesvorsitzender), Juergen Distler (Deutsche Stimme Verlag), S. Rossmueller (JN-Bundesvors.), Jens Puehse (Deutsche Stimme Verlag) und Andreas Weber (ehemaliger JN-Bundesschatzmeister, jetzt JN-Landesvors. NRW) war aber deutsches Liedgut zu langweilig und so fuhren sie in ein benachbartes Bordell. Der neue Bundesvorsitzende der JN, S. Rossmueller, liess sich dort von einer polnischen Prostituierten einen blasen, wobei er sich nach eigenen Angaben als „Herrenmensch“ fuehlte. So sieht der Kampf der NPD/JN fuer unser Vaterland aus. Wir hoffen, dass S. Rossmueller wenigstens im Puff Standfestigkeit bewiesen hat. Kameraden, die NPD/JN hat sich durch Ihr Verhalten schuldig vor unserem deutschen Vaterland gemacht." (Mitteilung an alle Mitglieder und Anwaerter der JN Sachsen vom 7. Juni) In einer Pressemitteilung kuendigen die Abtruennigen an, dass sie sich zukuenftig im "Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft" (BdVG) organisieren. Im Internet sind inzwischen alle Seiten entfernt, die Oliver Haendel gestaltet hatte und fuer die er als Verantwortlicher im Sinne des Pressegesetzes gezeichnet hatte.

Der dritte Weg fuer faschistoide Geisterfahrer
Aber nicht nur die jungen Kader in der NPD-Struktur sorgen in Sachsen fuer Aufruhr. Seit dem 30. April gibt es in Sachsen einen Arbeitskreis "Sozialisten in der NPD". Die Gruendung erfolgte in der Stadt Plauen. Der Europakandidat Prof. Michael Nier aus Frankenberg/Sachsen hat zu diesem Treffen ein Strategiepapier entworfen, in dem in groben Zuegen die zukuenftige Entwicklung der gesamten NPD vorausgeplant wird. Nier und Grett als Sprecher des Arbeitskreises propagieren darin eine Reorganisation der Parteienlandschaft. Sie sehen die NPD in einer "neuen

Entwicklungsperiode". Nach ihrer Auffassung wird die NPD in den kommenden Jahren "einen Qualitaetssprung vollziehen muessen - oder sie wird eine Absonderlichkeit des politischen Lebens bleiben. Dazu wird sie die Mitgliederschaft qualifizieren". Das Papier, das oberflaechlich betrachtet vorgibt, den "Sozialismus" der Linken beerben zu wollen, stellt nur den wiederholten Versuch faschistoider Kraefte dar, den voelkischen Nationalismus unter der Maske des Antikapitalismus als "neues" Ordnungssystem zu propagieren. Ganz genauso haben die Natio-nal(sozial)isten in den 20er Jahren operiert. In der Tat hat die NPD grosse Probleme, gerade im mitgliederstaerksten Landesverband, ihre Basis bei der Stange zu halten. Die eher auf militante Aktionen fixierten Polit-Glatzen sind fuer langweilige Wahlkaempfe nicht zu begeistern. Ihre Aufmarsch-Aktionen bringen der NPD aber nicht die erhofften Stimmen bei der Wahlbevoelkerung, die sich noch von Gewalttaten abschrecken laesst. Deshalb schauen die Oberstrategen neidisch auf die PDS, der es bei den Europa- und den Kommunalwahlen am 13. September gelang, sich als zweitstaerkste Partei zu etablieren und die Sozialdemokraten auf den 3. Platz zu verdraengen. Die pseudo-sozialistische Masche der NPD-Funktionaere in Sachsen zielt darauf ab, in PDS-WaehlerInnenschichten einzudringen. So ist man voll des Lobs auf

die fruehere SED und die heutige PDS. Der Streit um die richtige propagandistische Ausrichtung hat in Sachsen auch zu personellen Machtkaempfen gefuehrt. Im Augenblick wird ordentlich am Stuhl des Landesvorsitzenden Juergen Schoen gesaegt. Besonders Ursula Mann, bisher nur als Verfasserin von Artikeln in der "Sachsenstimme" aufgefallen, schart alle Schoen-Kritiker um sich. Im Hintergrund operiert der neue Arbeitskreis "Sozialisten in der NPD" um Prof. Michael Nier und den Plauener Fahrlehrer Bernd Brett. Das Zirkelwesen hat bereits einen ueberparteilichen Charakter. In der "Jungen Freiheit" laedt ein unabhaengiger Arbeitskreis "Wirtschafts- und Finanzpolitik" fuer den 26. Juli zu einer Vortragsveranstaltung "Der deutsche Weg. Nationaler Aufbruch ins 21. Jahrhundert" in "Auerbachs Keller" nach Leipzig ein. Referent ist Diplomvolkswirt Volker Biek. Zu dem Treffen, das laut Ursula Mann, deren Telefonanschluss als Info-Telefon dient, schon am 26. Juni stattfinden soll, werden neben Schoen, Nier, Brett, Mann auch Udo Voigt (NPD-Bundesvorsitzender), Christian Worch, Thomas Wulff (alte GdNF-Struktur) sowie der Sohn von Gerhard Frey (DVU) erwartet. Hier koennten perspektivisch Moeglichkeiten aufgetan werden, um nach einem Wahl-Debakel in Sachsen die vorhandenen faschistoiden Kraefte neu zu buendeln. Im Augenblick ist man gegen die rechten Kraefte in der CDU und

der FDP eher machtlos. Alle Versuche der NPD, noch irgendwie bei den Landtagswahlen im September in Sachsen Boden gut zu machen, sind wenig aussichtsreich. Dafuer haben die Entwicklungen bei den Jungen Nationaldemokraten gesorgt, auch wenn man die Ereignisse innerhalb der "Mutter"partei getrennt im Auge behalten sollte. Den in den Medien schon prognostizierten "2. Fruehling" der NPD, nach ihren Wahlerfolgen in Westdeutschland in den sechziger Jahren, wird es in den neuen Bundeslaendern in den neunziger Jahren wohl nicht mehr geben.




Braune Wäsche gewaschen Kölner Nazis spalten sich von NPD ab

Schon seit geraumer Zeit gären interne Querelen innerhalb der NPD-Jugendorganisation »Junge Nationaldemokraten« (JN). Jetzt ist offener Streit ausgebrochen - wichtige Funktionsträger und mehrere Landesverbände haben ihren Austritt erklärt. Mit peinlichen und unappetitlichen Details über das Sexualleben der gegnerischen Fraktion wird nun versucht, den »Feind in den eigenen Reihen« mundtot zu machen.

Hintergrund des Streits sind zum einen Eifersüchteleien und Konkurrenzkampf verschiedener Naziführer. Zum anderen herrscht seit längerem Streit über das Selbstverständnis der Jungnazis. Während die Fraktion um den neuen Bundesvorsitzenden Sascha Roßmüller die JN als Anhängsel der Mutterpartei NPD betrachtet, wollen die jetzt ausgetretenen Funktionäre aus Sachsen, NRW und Baden-Württemberg eine eigenständige und von der NPD weitgehend unabhängige Organisation aufbauen. Auf dem Bundeskongreß der Neonazis am 12.4.99 im fränkischen Klingenberg kam es

zur offenen Auseinandersetzung zwischen beiden Flügeln. Der NRW-Landesvorsitzende Achim Ezer, der bis vor kurzem in Köln aktiv war und mittlerweile nach Eschweiler bei Aachen umgesiedelt ist, trat gegen den NPD-Wunschkandidaten Roßmüller an und unterlag in einer Kampfabstimmung. Ezer und weitere JN-Mitglieder aus NRW und Baden-Württemberg verließen die NPD/JN, der Landesverband NRW wurde für ausgelöst erklärt und stattdessen das »Bildungswerk deutsche Volksgemeinschaft« (BDVG) gegründet. Der bisher von der JN als Veranstaltungszentrum genutzte Wohnsitz Ezers in Eschweiler bei Aachen soll nun als »organisationseigenes Schulungszentrum« für die neugegründete »Bewegung« fungieren.

Kurz darauf zog der JN-Landesverband Sachsen nach, der vom ehemaligen Kölner JN-Chef Oliver Händel geleitet wird. In einem zweiseitigen Rundschreiben stellte man sich bedingungslos hinter »die Kameraden aus NRW« und nutzte die Gelegenheit zur Generalabrechnung mit den »Verrätern«. Der pikante Aufhänger: der Bundesvorstand hatte einen Bosnier in die JN aufgenommen. Desweiteren ist zu lesen, daß sich die JN-Führung lieber in Bordells herumtreibe, als an einem Liederabend des NPD-Jammerbarden Jörg Hähnel teilzunehmen: »Der neue Bundesvorsitzende S. Roßmüller«, so müssen wir erfahren, »ließ sich dort von einer polnischen Prostituierten einen blasen, wobei er sich nach eigenen Angaben wie ein Herrenmensch fühlte.« (Kölner Woche, 19.6.99)




7. Juli 1999 Jungle World
Umbau im Braunen Haus

In Eschweiler-Dürwiß residiert seit Juni eine Abspaltung der NPD/JN: das Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft Das Haus ist bekannt, nur bei den Bewohnern, Nutzern und und dem Namen muß man immer wieder umdenken. Seit Juni wird das Haus, das in dem rheinischen Dorf Eschweiler-Dürwiß steht, als Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft genutzt. Zuvor diente es verschiedenen Organisationen der extremen Rechten als Tagungs- und Sammlungsort. Immer aber hieß es bei den meisten Bewohnern des Dorfes einfach das "braune Haus".

Den Anfang hatte im Oktober 1996 Manfred Rouhs, Herausgeber der Zeitschrift Europa vorn (heute: Signal), gemacht: mit einem Eröffnungskonzert für seine neue Verlagsniederlassung in Eschweiler. So großspurig wie sein Einstand, so lächerlich wirkte ein Jahr später sein Abgang. Zum 31. Dezember 1997 zog er mit seinem Verlag nach Köln und breitete in einer Notausgabe einen Kleinkrieg mit seinem Vermieter Paul Nießen, dem "an einem geheimen Ort im Ausland" lebenden Ex-Schatzmeister der Aachener NPD, aus.

Dieser habe mit der "Entführung" der Computer sowie eines Lexikons die Verlagsarbeit lahmgelegt, um ausstehendes Geld zu erhalten. Unter einem Vorwand "nach Aachen gelockt", soll Nießen daraufhin von Rouhs Kameraden aus Kreisen der Jungen Nationaldemokraten (JN) unter Androhung körperlicher Gewalt zur Rückgabe der Gegenstände gezwungen worden

sein.

Nach knapp einjähriger Unterbrechung fand Nießen in der Kölner Naziszene neue Mieter für sein "braunes Haus" mit angeschlossener Halle in der Jülicher Straße 247. Der damalige Landesvorsitzende der JN, Achim Ezer, war auf der Suche nach einem neuen Objekt. Nach einer antifaschistischen Demo konnte er das elterliche Haus in Bergisch-Gladbach bei Köln nicht mehr als JN-Zentrum nutzen.

Und so nahm Ezer im November 1998 in Eschweiler seinen offiziellen Wohnsitz - fortan wurde von dort aus der JN-Landesverband geleitet. Anwohner wußten schon bald von wöchentlichen Proben eines JN-Trommlerzuges zu berichten: "Jeden Dienstag ist dieser Krach über die ganze Straße zu hören. Und alles ist vollgeparkt mit auswärtigen Autos." Von Boxtrainings im Gebäude war die Rede und von einschüchternd auftretenden, teils mit Kampfhunden ausgestatteten

Skinhead-Trupps.

Die neuen Mieter verschanzten sich hinter Fenstergittern und begannen mit dem Ausbau des maroden Gebäudes - zu einem Versammlungszentrum und "Schulungslager" für die JN, wie es Ezer in einem Spendenaufruf formulierte. Dies sei nötig, da "viele junge Leute ziellos" hinter der JN herirrten, "ohne ein vernünftiges Argument dafür zu haben". Obwohl die Umbauten in dem Gebäude eher schleppend vorangingen, wurde es bereits sporadisch in diesem Sinn genutzt, so beispielsweise im vergangenen Jahr für eine germanische "Julfeier" zu Weihnachten.

Achim Ezer nahm als Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender maßgeblich an der Umwandlung der JN in eine neonazistische Kaderorganisation teil und trat für Bündnisse mit den "unabhängigen Kameradschaften" ein. Um diese Bündnispolitik zu vertiefen, gibt er auch seit 1997 die Zeitschrift Schwarze Fahne - gegründet als Publikation des JN-Landesverbandes NRW - heraus. Angeschlossen ist ein Versand für rechtsextreme Literatur, Musik und Gesinnungsartikel.

Das mit geringem redaktionellen Aufwand erstellte Blatt bietet Belehrungen über historische faschistische Bewegungen in Europa, Nachdrucke von NS-Literatur, Verhaltensregeln bei Hausdurchsuchungen, Interviews mit Bands und Neonazigrößen und dergleichen mehr. Der Titel Schwarze Fahne greift ein Symbol der faschistischen Bewegungen vor 1933 auf, das von den "unabhängigen Kameradschaften" als Ersatz für die Fahnen der verbotenen Organisationen genutzt wird. Das im Layout ständig wiederkehrende "Sonnenrad" ist leicht als Ersatz für das Hakenkreuz zu entschlüsseln. Zeitschrift und Versand firmieren unter der Eschweiler Adresse.

Wider Erwarten blieb das "braune Haus" nicht lange ein JN-Zentrum. Denn im Rahmen der sich zur Zeit bundesweit abzeichnenden Spaltung haben Ezer und seine Gefolgschaft die JN verlassen. Am 5. Juni gründeten sie eine eigene Organisation mit dem großspurigen Namen Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft (BDVG). Als Sitz der bundesweiten Zentrale wird die Jülicher Straße 247 in Eschweiler angegeben.

Die Adresse wird bislang auch von der bislang einzig bekannten BDVG-Regionalgliederung, dem Gebietsverband Süd, mitbenutzt. Dabei dürfte es sich um den ebenfalls vom JN-Bundesverband abgespaltenen sächsischen Landesverband oder um ehemalige JN-Kader aus Baden-Württemberg handeln.

Das Programm der Organisation zeugt in Wortwahl und Zielsetzung von einer orthodox nationalsozialistischen Ideologie. Es geht u.a. um die "Wiederherstellung einer wahren Volksgemeinschaft", die "Festigung des Bauerntums als Kultur- und Kraftquell unseres Volkes", eine "Nationalisierung der Geldpolitik" sowie um das "Ende der lebensfeindlichen und menschenverachtenden multikulturellen Ideologie".

Als "wichtigste Aufgabe" wird "die Förderung der Elitenbildung im nationalen Lager" genannt. Zu diesem Zweck soll die Schwarze Fahne als bundesweites Organ herausgegeben werden. Im "organisationseigenen Bildungszentrum in Eschweiler" will man Mitglieder und Funktionäre ausbilden: "Schulung in Verbindung mit politischer Aktion, das ist unsere Strategie", heißt es. Weitere Schulungszentren seien "in ganz Deutschland" geplant.

Doch dafür müßte sich erst einmal das Zentrum in Dürwiß behaupten. Nachdem bereits im Januar eine Antifa-Demo, organisiert vom Aachener VVN und dem Eschweiler Arbeitskreis gegen Rechts, auf das damalige JN-Zentrum aufmerksam gemacht hatte, formiert sich nun auch Widerstand gegen das "Bildungswerk": eine Bürgerinitiative, die bereits gegen die Nutzung des "braunen Hauses" durch Rouhs vorgegangen war. Zeitweilig hatten damals bis zu 60 Anwohner die Treffen der Initiative besucht, der es gelungen war, einen Teil der Vereine, Parteien, Schulen und der

Stadtverwaltung in den Protest einzubinden.

Die heutigen BI-Aktivisten arbeiten mit einem ähnlichen Konzept. Auch planen sie langfristig: So ist eine gemeinsam mit der örtlichen Volkshochschule organisierte Veranstaltungsreihe mit Referenten aus allen antifaschistischen Spektren auf die Dauer von mindestens einem Jahr angelegt.

Ein Nahziel der Initiative ist es, möglichst viele Ortsansässige auf die Straße zu bringen, wenn am 4. September eine landesweite Antifa-Demo vor das "braune Haus" ziehen wird. Hierfür sollen auch die mehr als hundert Vereine der Stadt und die Parteien gewonnen werden.




15. Dezember 1999 - Jungle World

Teilen, nix beherrschen

Viel angekündigt und wenig erreicht: Die strukturellen Verbesserungen für die Nazi-Szene nach der Spaltung der JN sind ausgeblieben. von arthur leone

Gereinigt von den als zu undeutsch empfundenen Elementen der Jungen Nationaldemokraten (JN) sollte eine neue nationale Institution entstehen: Das Bildungswerk der Deutschen Volksgemeinschaft (BDVG). So dachten es sich zumindest ehemalige JN-Aktivisten, die sich von der NPD-Jugendorganisation im Mai dieses Jahres getrennt und das Unternehmen großspurig ins Leben gerufen hatten (Jungle World, 28/99). Doch auch mit ihrer vorerst letzten Aktion im November, einem Vortrag zu zehn Jahren deutscher Einheit, ist es ihnen nicht gelungen, die nationale Jugend zu begeistern.

Zur Spaltung der JN war es hauptsächlich wegen der künftigen Organisations-Strategie gekommen. Dabei standen sich die Fraktionen um Holger Apfel, der sich stärker an der Mutterpartei orientierte, und um Achim Ezer, der wieder zum ursprünglichen JN-Konzept der unabhängigen Kader-Organistion zurück wollte, gegenüber. In der Kampfabstimmung zwischen beiden Fraktionen unterlag Ezer. Mit dem Vorwurf des Wahlbetrugs, der Satzungsverletzung und der Rufschädigung verließen dann der nordrhein-westfälische, der sächsische und teilweise der baden-württembergische Landesverband die JN und erklärten das BDVG für gegründet.

Dort wollte man wieder Kaderschulung betreiben: Immer entlang der reinen nationalen Idee und den Blick auf die Zukunft des deutschen Volkstums gerichtet. Aber die Aktivisten um Achim Ezer kamen nicht so recht voran: Bundesweit fanden im letzten halben Jahr fünf Veranstaltungen statt. Und was das selbst ernannte Bildungswerk dann in Heilbronn, Ludwigshafen, Aachen oder Bischofswerda anbot, lief immer nach dem gleichen Schema ab: BDVG-Vorsitzender Ezer hielt eine »emotionale Rede« über die »eklatanten Missstände in unserem Land«, der jeweilige Gastredner lieferte den Kameraden einen informativen Vortrag über Themen wie »das sozialpolitische Versagen der Bundesregierung«. Anschließend folgte das gesellige Beisammensein.

Als Gastredner holte man sich zu den Veranstaltungen diverse Theoretiker aus der Braunzone. Im sächsischen Bischofswerda trat vor 40 Leuten Johannes Hertrampf, Chef der Freiheitlichen Partei Deutschlands, auf. Bei der Veranstaltung zum zehnten Jahrestag des Mauerfalls, in Heilbronn, referierte ein Professor Walter Marinovic aus Wien, und im August lud sich das BDVG den rechten Verleger Gert Sudholt nach Heilbronn ein.

Vom »Amt für Schulung« des BDVG werden zudem Schulungsbriefe, -mappen und -lehrgänge herausgegeben, die sich ausführlich mit solchen Themen wie Versailles, Nietzsche und dem Mehrwert beschäftigen. Einziger Lichtblick für praktisch veranlagte Kameraden war ein Orientierungsmarsch bei Aachen im August. Ansonsten ist der Verein damit beschäftigt, seine Zentrale in Eschweiler-Dürwiß bei Aachen einzurichten. Zur Zeit wird gerade Teppich gelegt, nebenbei versucht man, die örtliche Bürgerinitiative Gemeinsam gegen Nazis auszukundschaften, die sich gegen das als

Nazi-Haus bekannte Objekt engagiert.

Dort hat auch immer noch das ehemalige JN-Blättchen Schwarze Fahne seinen Sitz, es soll nun als BDVG-Organ dienen. Auch seinen Versandhandel ließ sich Ezer durch die Abspaltung von der JN nicht nehmen. Er betreibt ihn als »Achim Ezer Versandhandel Schwarze Fahne« weiter, der ehemalige JN-Chef und heutige NPD-Funktionär Holger Apfel wirft ihm deswegen Bereicherung vor. Wegen der Schwarzen Fahne läuft bereits ein Verfahren.

All diese Streitereien haben dazu beigetragen, dass es nicht zu der von Antifas befürchteten bundesweiten Ausbreitung des BDVG als Nazi-Kaderorganisation kam. Neben der Bundeszentrale in Eschweiler gibt es nur noch einen Gebietsverband für Baden-Württemberg in Heilbronn und einen in Sachsen. Von diesem ist jedoch lediglich eine Telefonnummer in Kamenz bei Dresden bekannt.

Auch die Gefahr einer Scharnierfunktion des BDVG zwischen JN und Freien Kameradschaften zeichnet sich derzeit nicht ab. Zwar durfte Ezer beim NPD/JN-Aufmarsch im Mai in Köln noch als Redner auftreten, weiter reicht die Zusammenarbeit jedoch bisher nicht. Auf den Internet-Seiten des BDVG sind bis heute keine Links zu NPD oder JN zu finden, dafür aber zum Bündnis Rechts (Lübeck), zur Freiheitlichen Partei, zur Wanderjugend Gibor und zu Horst Mahler.

Die JN haben sich von der Spaltung noch nicht erholt. In Dresden ist ihre ehemalige Bundesgeschäftsstelle weggefallen, die maßgeblich von Oliver Händel betrieben worden war. Händel, bis zur Spaltung Chef des sächsischen Landesverbands, hatte bei der Abspaltung von den JN eine zentrale Rolle gespielt. Von ihm stammt auch ein Hetzbrief gegen die Rest-JN, in dem von Vaterlandsverrat und Rassenschande die Rede ist. Dass die Spaltung der JN Spuren hinterlassen hat, zeigt sich auch auf den Websites der baden-württembergischen JN: Bis Anfang Dezember fand sich dort nur ein Link zum BDVG.

Auf ihrem letzten Kongress im November entledigte sich die NPD-Jugendorganisation der letzten Störenfriede und damit auch der wenigen Aktivisten. Statt Kaderschulung und dem Aufbau einer festen Struktur widmet man sich eher der Vorfeldarbeit für die NPD. Damit hat die Organisation zur Mutterpartei zurückgefunden, und die Apfel-Fraktion hat sich durchgesetzt.

Doch nicht nur durch die Verluste auf Bundesebene haben die JN Substanz verloren. In den Ländern, in denen sich die kompletten Landesverbände aufgelöst haben, konnten sie bisher kaum wieder Fuß fassen. In NRW wurde zwar ein neuer Landesvorstand ernannt, in der regionalen Antifa-Zeitschrift Lotta wird er jedoch als Provisorium eingeschätzt. Auch in Sachsen sind von den JN im letzten halben Jahr keine Aktivitäten mehr ausgegangen.

Es ist offensichtlich, dass die Spaltung der JN den bundesweiten Strukturen der Neonazis eher geschadet als genützt hat. Ihre Schwäche verstärkt den Zulauf zu den Freien Kameradschaften und den mehr subkulturell orientierten Blood&Honour-/Hammerskin-Strukturen. Ohne Kontrolle durch Parteien oder parteiähnliche Strukturen wie NPD oder JN sind sie relativ unberechenbar, zumal ihre Militanz weiter zunimmt.


Published at 15.11.2002 - 06:25:35

 


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