Scharfe Kritik an anti-sorbischen Schmierereien

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Die Schmierereien an neun sorbischen Straßenschildern in Großwelka sind „kein Dummer-Jungen-Streich“. Das sagte gestern Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU). Er verurteile und bedaure diesen Vorfall. „Er ist dumm, verabscheuungswürdig und nicht zu tolerieren. Er gefährdet die gute Gemeinsamkeit zwischen deutschen und sorbischen Bürgern“, so Schramm. Bautzen verstehe die deutsch-sorbische Kultur als Chance und habe deshalb sofort Anzeige erstattet und die Schilder mittlerweile reinigen lassen. Er hoffe, dass die Täter ermittelt werden und setzte dabei auf die Hilfe der Bevölkerung.
In Großwelka waren vor einigen Tagen fast alle Straßenschilder mit weißer Farbe besprüht worden. Dabei hatten der oder die Täter nur die sorbischen Schriftzüge übertüncht, die deutschen Straßennamen blieben in allen Fällen unversehrt. Daher ist davon auszugehen, dass es sich um eine gezielte anti-sorbische Aktion handelt. (SZ/us)



04.August 2004 - SZ-Bautzen
Sorbisch übersprüht
Gezielte Aktion
Von Ulli Schönbach

Bei fast allen Straßenschildern in Großwelka ist vor kurzem der sorbische Straßenname mit weißer Farbe übersprüht worden. Dabei handelt es sich offenbar um eine gezielte anti-sorbische Aktion. Wie die Polizeidirektion Bautzen auf Anfrage der SZ bestätigte, richtete sich die Tat ausschließlich gegen die sorbischen Schriftzüge. Auf keinem der neun betroffenen Schilder wurde der deutsche Straßenname übersprüht.

Der finanzielle Schaden bewegt sich nach Angaben der Stadtverwaltung zwischen 350 und 770 Euro. „Dies hängt davon ab, ob die Schilder ersetzt werden müssen“, sagt Pressesprecherin Elke Lorenz. Die von der Stadt beauftragte Firma werde zunächst versuchen, die Schilder von der weißen Farbe zu reinigen. Vergleichbare Aktionen in den vergangenen Jahren sind im Rathaus nicht bekannt. Das Rechtsamt der Stadt erstattete Anzeige gegen unbekannt. Erkenntnisse über den oder die Täter liegen der Polizei nicht vor. Man bitte daher die Bevölkerung um Hilfe, so Polizeisprecherin Petra Kirsch: „Die Tat soll sich am 22. Juli ereignet haben. Wer an diesem Tag etwas Auffälliges beobachtet hat, sollte sich an das Revier Bautzen wenden“. Auf ein Wort

Revier Bautzen (03591) 35 60

Sächsische Zeitung
Mittwoch, 4. August 2004

Aufmerksam

Die Schmierereien in Großwelka sind ein gezielter Anschlag. Das darf man ruhig so deutlich sagen. Wer neunmal hintereinander den sorbischen Straßennamen übermalt, den deutschen aber stehen lässt, der handelt weder spontan noch aus purer Zerstörungswut, sondern hat sich überlegt, was er da tut. Schwieriger schon ist zu beurteilen, wie ernst man diese Aktion nehmen muss. So wie nicht hinter jedem Hakenkreuz ein Nazi steckt, so mag auch in diesem Fall ein Gemisch aus Dummheit, Großmanns-Sucht und Lust an der Provokation Auslöser für die Schmierereien sein. Für diese Version spricht zum Beispiel der Tatort, der eher zufällig gewählt scheint.

Aber das sind Vermutungen. Genau weiß man es eben nicht. Auch deshalb nicht, weil das Verhältnis von Sorben und Deutschen in den letzten Jahren nie ganz spannungsfrei war. Wer will da schon ausschließen, dass nicht doch politische Brunnenvergifter am Werk sind? Angemessen reagieren heißt da wohl: zwar ruhig, aber aufmerksam bleiben, ob sich Vorfälle wie Großwelka wiederholen.


Donnerstag, 5. August 2004, SZ Bautzen // Published at 04.08.2004 - 22:00:17

 


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