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"Die Axt im Walde"
Von: AG Zittau | Datum: 03.07.02

Nun ist es soweit, die Anträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung sind gestellt, die Entscheidung wird am nächsten Dienstag um 14 Uhr vorm Landgericht Görlitz erwartet.

"Die Axt im Walde" wie ihn der Richter etwas beschönigend beschrieb, ist der 22-jährige Zittauer Neonazi Denis Haschke, der am 02.November 2001 einen ganzen alternativen Jugendclub in Zittau sprichwörtlich in Angst und Schrecken versetzte.

Doch die Vorgeschichte ist entscheidend. Bei dem Zittauer Maik Kummer sollte eine Techno-Party steigen, die sich im Laufe des Abends zu einer Neonazi-Orgie entwickelte. So wurden dort Landser und auch Kraftschlag aufgelegt, mit eindeutigen textlichen Beigeschmack: "Wir brechen euch alle Knochen". Nachdem etwa 10 alternative Jugendliche vorbeischauten, nahmen die Neonazis dieses ungewollte Treffen zum Anlass eines brutalen Überfalls in der Nacht zum 03. November 2001. Kummer soll daraufhin mit menschenfeindlichen Parolen wie: "Wir müssen diese Punks umbringen" zusätzlich rassistische Stimmungen verbreitet haben. Denis Haschke, der als Schläger bekannt ist und dessen Vorstrafenregister Einträge wie Räuberische Erpressung, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte enthält, wurde zum Überfall extra eingeladen. Einer der Neonazi-Zeugen sagte: "Der Haschke kommt, wunderbar". Haschke schnappte sich nach dem Anruf einen Totschläger, ein Jagdmesser mit einer Klinge von 32cm, Reizgas und auch diese berühmt berüchtigte Axt. Dann machten sich etwa 7 Neonazis, darunter stadtbekannte Neonazischläger zum alternativen Jugendclub auf. Zwischendurch bewaffneten sich die Neonazis zusätzlich noch mit Eisenstangen.

Haschke bedrohte mit dieser Axt mindestens zwei Jugendliche. Man kann wirklich nur von Glück sprechen, dass keiner der anwesenden Jugendlichen ernsthaft verletzt wurde. Die Schläge mit der Axt, konnten im ersten Fall abgewehrt werden und im zweiten Fall hat der Alkoholkonsum den Mord verhindern können. Eines der Opfer rutschte betrunken vom Sessel, als Haschke auf ihn einschlagen wollte. Der Schlag ging daraufhin glücklicherweise in die Rückenlehne des Polstersessels. Nach objektiven Aussagen der Jugendlichen soll er versucht haben diese zu ermorden, weshalb die Staatsanwaltschaft Haschke wegen versuchten zweifachen Mordes anklagte.

Doch die Beweisaufnahme war sehr widersprüchlich, da es verschiedene Versionen gab, so dass die Staatsanwaltschaft von einer derartigen Anklage abkommen musste und im Schlussplädoyer nur noch von einem versuchten Mord ausgeht. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin 4 Jahre und 6 Monate Haft. Die Verteidigung verharmloste die Situation, versucht Haschke mit einer Bewährungsstrafe davonkommen zu lassen, indem sie Haschke indirekt zum Opfer machte, der von anderen beeinflusst wurde. Bei dem Fall einer Bewährungsstrafe, was aus objektiver Einschätzung des Gerichts nicht erfolgen wird, hat die Staatsanwaltschaft bereits angekündigt in Berufung zu gehen.

Die Politische Dimension wurde leider nicht betrachtet. Das die Neonazis in Zittau nicht als abscheulicher Ballast, sondern lediglich als gesellschaftlich schwieriger Teil einer Zivilgemeinschaft betrachtet werden, die es zu fördern anstatt auszugrenzen gilt, war nie in der Hauptverhandlung Thema. Vielmehr wird das Gericht höchstwahrscheinlich dem Antrag der Verteidigung weiterstgehend zustimmen und von dem Vorwurf des versuchten Mordes absehen und Haschke wegen Bedrohung verurteilen, was ein himmelweiter Unterschied in der Strafbemessung bedeutet. Dass der Täter Denis Haschke offenbar rassistische Motive hatte, reichte gerade einmal zur Feststellung niederer Beweggründe für die Tat. Der Verteidiger behauptete sogar, Haschke hätte kein Motiv gehabt, da er die betreffenden Opfer vorher nicht kannte. Doch welcher Neonazis kennt schon seine Opfer? Einer der Neonazi-Zeugen äußerte zum Beispiel, dass Haschke nach der Suche nach Anerkennung war. Durch den Überfall wollte Haschke, der alkoholkrank und nicht besonders intelligent (IQ 75) ist, offenbar Anerkennung in der rechten Szene Zittaus gewinnen.

Die anderen Neonazis, die auch beim Überfall beteiligt waren, bekommen gesonderte Verfahren wegen Körperverletzung und/oder Hausfriedensbruch. Das Haus der Jugendlichen Opfer wurde übrigens kurz nach dem Überfall von der Zittauer Wohnungsbaugesellschaft gekündigt. Von Seiten der Stadt werden die Opfer der sog. Zittauer Verhältnisse (siehe Ereignisse um die Südstraße 8) mehrfach bestraft. Inzwischen sollen die Jugendlichen das Haus aber wieder erhalten haben.

Wer sich die Urteilsverkündung anschauen will, der sollte sich nächsten Dienstag den 09.07.2002 um 14 Uhr im Landgericht Görlitz (Hospitalstraße 15/16) einfinden.