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Landgericht Görlitz lässt Neonazi-Schläger Denis Haschke aus Zittau mit einer geringen Haftstrafe davonkommen
Von: AG Zittau | Datum: 11.07.02

Von der von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten ist nicht viel übrig geblieben. Das Görlitzer Landgericht verurteilte den 22-jährigen Neonazi Denis Haschke am 09.07.02 lediglich zu einer Haftstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten ohne Bewährung.

Eine Verurteilung wegen zweifachen versuchten Mordes hätte wohl tiefgreifende Fragen aufgeworfen. Sind Neonazis in der Lage ihre Opfer zu ermorden? Gibt es keine Skrupel mehr? Das Gericht konnte Haschke einen versuchten Mord jedoch nicht nachweisen, dazu waren die Zeugenaussagen zu ungenau, unglaubwürdig oder konträr zu anderen Aussagen.

Haschke hatte sich nach einem Anruf mit einem Wehmachtsmesser, CS-Gas und eben dieser Axt bewaffnet und war dann zusammen mit etwa 6 anderen Neonazis in den Zittauer alternative Jugendclub auf der Äußeren Oybiner Straße gestürmt. Haschke hatte nach Zeugenaussagen versucht zwei, wenn man den Gerichtsverlauf genauer beobachtet hat, sogar drei Menschen mit einer Axt zu ... . Das war eben die Frage. Ermorden, Verletzen oder die Menschen in Angst und Schrecken versetzen? Das Gericht erkannte die Axt als Tatwerkzeug und als gefährliche Waffe an.

So wurde der Neonazi lediglich wegen Bedrohung und Bedrohung mit versuchter schwerer Körperverletzung zur Verantwortung gezogen. Eine Bewährungsstrafe konnte das Gericht jedoch nicht erteilen, da Haschke wegen anderen rassistischen Straftaten bereits Bewährung hatte. Haschke hatte am 18.01.1999 einen Punker in Markleeberg brutal zusammengeschlagen, nachdem dieser sich weigerte seinen Befehlen zu folgen. Drei Monate später erpresste er von einem Nichtdeutschen eine Jacke in Leipzig. Am 07.10.2000 wurde er zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 10 Monaten auf Bewährung verurteilt, nachdem er wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamten in Zittau zur Verantwortung gezogen wurde. Das Gericht konnte demnach in seinem Falle keine positive Sozialprognose stellen. Außerdem ist der gebürtige Leipziger Alkoholkrank und nicht gerade Intelligent.

Das Gericht sprach trotzdem von Glück. Glück deshalb, da es bestimmte Umstände gab, die einen schlimmeren Tatverlauf vereitelten. So hatte ein Opfer Glück, dass es total betrunken von einem Sessel zu Boden rutschte, während Haschke ihn mit seiner Axt treffen wollte. Die Axt traf so glücklicherweise nur die Rückenlehne. Wenn Haschke Glück hat ist er jedoch bereits in wenigen Monaten auf freiem Fuß, gesetzt dem Fall er wird wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

Die Staatsanwaltschaft kündigte noch gar nichts an, sie prüft erst die Urteilsbegründung und wird dann entscheiden ob sie in Revision zu geht. Sie hatte im Plädoyer 4 Jahre und 6 Monate gefordert. Sie hatte einen Mordversuch als erwiesen angesehen.

Weitere Infos zum Prozess und zur Tat:
http://lola.d-a-s-h.org/~zittau/ostsachseninfos/2002/07_03.html
http://lola.d-a-s-h.org/~zittau/zittau/neonazischlaeger.htm